PCB-Designerin Cherie Litson: Erfahrene Elektroingenieurin (B.Sc.) und CID Master Instructor

May 16, 2017 Judy Warner

Cherie Litson

 

Cherie Litson hat nicht nur einen B.Sc. in Elektrotechnik, sondern ist auch Master Instructor für CID- und CID+-Schulungen bei Eptac. Sie blickt bereits auf eine lange Karriere als PCB-Designerin zurück und ist jetzt dafür zuständig, andere Designer zu schulen und zu prüfen. Sie sprach mit uns darüber, wie sie Designerin wurde, welche Unterschiede es ihrer Ansicht nach zwischen Männern und Frauen in der geschäftlichen Herangehensweise gibt und welche Ratschläge sie denjenigen mit auf den Weg gibt, die eine Karriere im PCB-Design anstreben.

 

Warner: Cherie, können Sie uns etwas über sich und Ihre Karriere als Designerin erzählen?

 

Litson: Ich fing 1971 als Lehrling im technischen Zeichnen an (Unterstützung für das NNSS-Testgelände in Nevada). Anschließend arbeitete ich mich hoch, bis ich technische Zeichnerin für Mechanik und Elektrotechnik wurde. Ich hatte Kontakt zu Designern, die Elektronik mit komplexen Schaltungen entwickelten. Ich war fasziniert von dieser Kunst und sah den Leuten zu, die diese beeindruckenden Layouts erstellten. Ich dachte mir: „Das will ich auch einmal machen“. Bald darauf erkannte ich, dass ich dafür Elektronik-Fachwissen brauchen würde; also ging ich zurück auf die Schule und wurde zur Elektroingenieurin. Ich musste aber feststellen, dass ich immer noch nicht genug über das Design mit Herstellungsvorgaben wusste! Also kam ich zu IPC und erfuhr, welche Herstellungsprobleme es gab. Das hat mich verändert. Jetzt verstehe ich die mechanischen, elektrischen und herstellungsbezogenen Faktoren, die ein gutes Leiterplatten-Design ausmachen.

2006 habe Ich meinen CID erhalten und meinen CID+ im Jahr 2008. 2015 wurde ich IPC Master Instructor und wurde von zwei Branchengrößen ausgebildet: Gary Ferrari und Dieter Bergman.

Dieter war streng und anfangs mochte ich ihn nicht. Später dann wurden wir gute Freunde. Ich musste zunächst sein Engagement für die Branche und seine Leidenschaft für das PCB-Design verstehen. Gary war großartig, weil er darauf achtete, dass ich die Auswirkungen des Designs auf die gesamte Lieferkette verstand. Damals gab es noch PCB-Design-Schulen.

Zwei weitere tolle Mentoren waren der leider bereits verstorbene Glen Wells und Mary Sugden, die mittlerweile in Rente ist. Mary hat die besondere Fähigkeit, komplexe Dinge einfach und verständlich zu erklären. In dieser Hinsicht habe ich versucht, Mary nachzueifern.

Es gibt keinen klar vorgezeichneten Weg zum PCB-Designer. Die meisten Leute scheinen genauso einzusteigen wie ich.

 

Warner: Gab es in Ihrer Vergangenheit Anzeichen dafür, dass Sie einmal Designerin werden würden?

 

Litson: Ich war sehr gut in Puzzles, Ich liebte Kunst und ich liebte es, mit meinen Brüdern Dinge wie etwa Hütten und Tipis zu bauen. Ich habe immer versucht, meine Brüder zu übertrumpfen und bessere Bauwerke als sie zu bauen. Außerdem habe ich gern mit den „Lincoln Logs“ gespielt.

In den 50er-Jahren ging ich zur Grundschule und in den 60er-Jahren auf die Highschool. Es gab seinerzeit nicht besonders viele Karrieremöglichen für Frauen. Stattdessen existierten ziemlich viele Vorstellungen, was eine Frau beruflich tun sollte und kann. Ein Berufseignungstest ergab, ich solle Zahnhygienikerin werden (lacht). Meine Familie war der Meinung, ich würde eine gute Sekretärin abgeben, also lernte ich Stenografie und Schreibmaschine – was ich gehasst habe! Das hatte schließlich rein gar nichts mit Technik zu tun!

 

Warner: Glauben Sie, dass es heute spezielle Vorteile oder Herausforderungen für weibliche Ingenieure und Designer gibt?

 

Litson: Nicht mehr in dem Ausmaß. Als ich jünger war, da war es schon schwierig, sich bei Meetings Gehör zu verschaffen oder ernst genommen zu werden. Seit die IPC die Designer-Zertifizierungen CID und CID+ forciert hat, gab es einige Veränderungen. Jetzt werden alle geprüften Designer mehr geschätzt und respektiert. Das Zertifikat ist ein Nachweis für das eigene Wissen, und CID-Schulungen werden seit Ende der 1990er-Jahre angeboten.

Männer und Frauen sind verschieden – nicht besser oder schlechter – einfach verschieden, insbesondere bei der Reaktion auf verschiedene Reize. Ich liebe den Golfsport und gehöre der Executive Women's Golf Association an. Die Geschehnisse auf dem Golfplatz helfen uns, die Abläufe in den Vorstandsetagen zu verstehen. Im geschäftlichen Umgang ist das Verstehen dieser Unterschiede sehr hilfreich! Allgemein tendieren Frauen zu Geselligkeit, Ehrgeiz und einem hohen Bewusstsein für ihren Einfluss auf andere. Frauen blühen in einer anspornenden Umgebung auf. Männer wachsen über sich hinaus, wenn sie angestachelt, angetrieben oder offen herausgefordert werden. Sie brauchen und möchten manchmal einen Schubs. Männer bleiben in einem stark ermutigenden Umfeld eher in ihrer Komfortzone. Wenn Frauen angestachelt oder übermäßig angetrieben werden, nehmen sie das oft persönlich und sehen es als Herabwürdigung. Wie verbessert man seine geschäftlichen Fähigkeiten? Durch zuhören, lernen und anwenden. Die Herangehensweise von Frauen an das Leben, Spiele und das Berufsleben zeigt sich auf dem Golfplatz! Im Anschluss gibt es immer Getränke und Gespräche – beim Netzwerken konnte ich mich geschäftlich oft verbessern. Außerdem werden dort ganzjährig Seminare und Schulungen angeboten.

 

 

 

 

Warner: Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der/die über eine Karriere im PCB-Design nachdenkt?

 

Litson: Legen Sie sich einen guten Mentor oder auch mehrere zu. Einen, dem Sie vertrauen können und den Sie jederzeit mit Ihren Fragen löchern können. Sie brauchen natürlich auch eine ordentliche Ausbildung und müssen stets bereit sein, neue Dinge zu lernen. Die Branche und die Technologie verändern sich ständig und es gibt immer etwas zu lernen!

 
 
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